Donnerstag, 7. August 2014

Ich suche nur was

Heute morgen gab es einen dieser Momente, wegen der es so viel Spaß macht, mit Tim zusammenzuarbeiten:
nachdem unsere gestrigen Versuche, die Poisson-Zahl zu messen, wieder so erfolglos waren, hatte Tim das Internet nach Antworten durchsucht, war auf amerikanische Laborpraktikumsanweisungen für Physikstudierende gestoßen und dachte sich, dass wir das auch mal probieren könnten:
 statt den Kohlefaserstreifen einzuspannen und daran zu ziehen und die resultierende Dehnung zu messen, kann man den Streifen auch an einer Seite fixieren und an der gegenüberliegenden Seite nach unten drücken - damit soll man die Poissonzahl bestimmen können, wenn man auf beiden Seiten Dehnungsplättchen anbringt.
Also hat Tim mal eben diesen Aufbau zusammengebastelt
und wir haben gemessen.
Und während wir ja immer statt des gewünschten Werts von 0,3 Werte zwischen 0,4 und 1 hatten, bekamen wir heute einen Wert zwischen 0,15 und 0,2 heraus - es ist wirklich wie verhext.

 Das Lustige war, dass ich während der Auswertung auf meinem Stammplatz im Reinraum saß und von dort aus alle Leute im Reinraum beobachten kann, was heute so aussah:
Erst kam John (der "Du heißt auch John?"-John), der in den Raum kam und suchend in alle Ecken schaute (ich kenne diesen Blick von Tim: weil alle in unseren Raum können, aber kaum jemand immer dort ist, gibt es dort zwar alles, aber meistens liegt es woanders als beim letzten Mal), aber nichts sagte, und dann wieder ging.
Dann folgte der Mensch, der mir vor zwei Monaten das Kabel mitgebracht hat, kam in den Raum, schaute sich suchend überall um und erklärte auf meine Nachfrage, dass er - lustigerweise - ein Kabel suchte.
Dann kam Mike in den Raum, schaute sich suchend überall um und erklärte dann, dass er zwei Präzisions-Stahl-Barren suchte. Ich habe mir nichts dabei gedacht, aber als ich ihn dann nächstes Mal traf, sagte er, dass wir den einen Metallbarren auf unserer Maschine liegen hatten (wir benutzen ihn da als Kabelbeschwerer) und dass das ein sündhaft teurer Präzisions-Metallbarren und viel zu wertvoll ist, um ihn zu verwenden, wofür auch immer wir ihn verwendet haben.
Schade, es war so ein guter Kabelbeschwerer.
Danach musste ich mich aktiv davon abhalten, überall auf meinen Arbeitstisch Zettel mit der Aufschrift "Nicht wegnehmen!" zu verteilen.

Tim hatte heute einen Besucher, also habe ich nach der Klebemessungsroutine, den neuen Alu-Klebedosen und der Auswertung der Messungen vom Vormittag überlegt, was ich tun soll, und habe löten geübt: die extrem dünnen Drähte, die wir verwenden, haben außen eine rote, isolierende Beschichtung, und um die Drähte zum Datenauslesen zu verwenden, muss man erst die Beschichtung entfernen (sieht man an den silbrigen Enden der Drähte) - mit einem Lötkolben.
Das habe ich ungefähr fünfzig von den Dingern lang durchgehalten, dann bin ich gegangen.

Die meisten der Cupcakes habe ich heute mit zur Uni gebracht und einfach auf den Tisch gestellt - und nach einer Stunde waren praktisch alle weg, dafür stand der letzte Cupcake dann einsam drei Stunden lang herum, bis sich irgendwer seiner erbarmt hat.

Dafür hatte dann zuhause Catherine einen unglaublich locker-fluffigen Sponge Cake mit Erdbeeren drauf gebacken :)

Ich werde dieses Wochenende nochmal versuchen, nach York zu fahren, also wundert euch nicht, wenn ihr eine Weile nichts von mir hört :)

Mittwoch, 6. August 2014

Zuviel Brei verdirbt die Köchin

Heute morgen ist es mir ein wenig schwerer gefallen als sonst, aus dem Bett zu kommen - und dann war ich ziemlich neidisch, als ich morgens an Leo vorbeigegangen bin, der einfach auf dem Sofa liegen bleiben durfte:
In der Uni habe ich dann festgestellt, dass meine morgendliche Arbeitsroutine sich ausweitet: zusätzlich zum Kleberwiegen, Kleber beim Ausdehnen fotografieren und Messung vom Vortag auswerten bereite ich jetzt morgens die fünf Klebedöschen für den Tag vor, von denen die erste dann umgehend in den Glasübergangstemperatur-Analysator kommt. Die zweite muss 24 Stunden später analysiert werden, das heißt, die erste Dose muss so pünktlich fertig gebastelt und gemessen werden, dass die vom Vortag 24 Stunden später gemessen werden kann.
Zwei der fünf Dosen kommen dann, wenn sie fertig getrocknet sind, in ihre eigenen Umschläge (man darf die Dosen, die alle gleich aussehen, nicht markieren, weil das die Messung verderben würde, also müssen die fertigen in ausführlich beschriftete Umschläge), die dann zur Bestrahlung geschickt werden).
 Ab da muss ich dann nur noch zwischen dem Analysator im Nebenraum und dem Kamerasystem, das den feuchter werdenden Kleber filmt, hin und her flutschen und aufpassen, dass die Messungen laufen.
So sieht mein Arbeitsplatz jetzt aus:
Das ging auch alles gut, bis die dritte parallele Messung dazukam: Tim und ich wollten heute nochmal einen Versuch starten, die Poisson-Zahl zu messen, haben unsere 16-lagige Kohlefaserplatte in Streifen zerschnitten und mit Dehnungsplättchen beklebt und eingespannt.
(hier übrigens was Lustiges: die Box, mit der wir die Daten auslesen, kann im Prinzip vier Kanäle auslesen: der vierte davon hat noch nie funktioniert, der dritte hat gestern plötzlich aufgehört zu funktionieren und die anderen beiden haben ziemlich rumgesponnen.
Dann hat Tim sie an seinen Computer angeschlossen, der das zugehörige Computerprogramm nicht hatte, und plötzlich ging alles wieder! Die Box hat brav alle drei Kanäle ausgelesen und funktioniert.
Jetzt geht sie wieder. Warum auch immer. Wir fragen lieber nicht und freuen uns, dass es klappt)
Also haben wir weiter gemessen und gemessen und die Ergebnisse sind immer noch genauso falsch wie vorher.
Zum Glück gehen uns nie die Möglichkeiten aus, was wir uns noch ansehen können.

Währenddessen habe ich dann statt einer Kleberdose von gestern, die 24 Stunden aushärten sollte, eine von heute analysiert (und damit ruiniert), die noch nicht ausgehärtet war, und mich bei der Kameramessung verzählt, sodass ich hinterher alle Bilder einzeln durchgehen, den Sekundenzähler mit meinen Aufzeichnungen vergleichen und aus hundert Bildern diejenigen heraussuchen musste, die ich nicht für die Auswertung verwenden darf.
Zuviele Messungen gleichzeitig.

Dafür habe ich mich dann abends etwas gewidmet, was immer funktioniert, und Orangencupcakes mit Ahornsirup-Schokoladen-Icing gebacken (Icing ist sowas wie eine weiche Glasur).
 Das hat gutgetan :)

Danach habe ich die Daten ausgewertet, die wir heute gesammelt haben, und als ich damit fertig war, war es schon null Uhr. Wird höchste Zeit, dass es Wochenende wird.

Dienstag, 5. August 2014

Höhen und Tiefen

Der Tag heute tarnte sich als ganz normaler Tag (ihr wisst schon: morgens Kleber gewogen, Kleber in Aludosen gefüllt und warmgemacht, Kleber beim Sich-langsam-mit-Feuchtigkeit-vollsaugen zugesehen), aber dann gegen Mittag hatte jemand den Schalter umgelegt und alles ging schief:
der Kleber, der das Dehnungsplättchen an der Kohlefaser festkleben sollte (und sonst immer festgeklebt hat), klebte nicht mehr, die Box, mit der man die Signale aus den Dehnungsplättchen auslesen kann, wollte plötzlich nur noch zwei Kanäle auslesen (nicht mehr drei), der Materialtester hat rumgesponnen und ist von 10 Newton auf 100 Newton Belastung gesprungen und dann ist noch das Kleber-in-Aludose-Programm abgeschmiert, sodass wir nur die Hälfte des Temperaturbereiches ansehen konnten.

Erstaunlicherweise war es trotzdem ziemlich lustig - Tim hat mir von einer englischen Serie erzählt ("The Great British Bake Off"), in der verschiedene Menschen gegeneinander antreten und ihre Fähigkeiten beim Backen unter Beweis stellen (aus irgendeinem Grund dachte Tim, das würde mich interessieren :)
Kann man sich auf Youtube ansehen. Ist tatsächlich ganz gut (wenn man denn gerne bäckt).

Abends wurde es dann schon Zeit für den ersten Abschied: Ash fährt morgen für drei Wochen in den Urlaub und das heißt, wir sehen uns nicht mehr.
Also wurde ich heute Abend von Ash und John mit zu deren traditionelle(n) Feierabendbier(en) eingeladen - auf pintweise Cider auf einen seit fünf Stunden nüchternen Magen (ein pint sind 568 Milliliter).
Aber: ich habe mitgehalten (und es wurde im Laufe der Zeit ziemlich lustig).
Wir haben dann festgestellt, dass es auch gar nicht so ein richtig dramatischer Abschied war, weil wir uns sowieso alle mindestens zweimal im Jahr bei den Upgrade-Weeks treffen.

Zuhause angekommen habe ich dann schleunigst die Grundlage im Magen nachgeholt, ständig auf der Hut vor Maple, der die ganze Zeit um meinen Teller herumgeschlichen ist.

Montag, 4. August 2014

Nur noch dreieinhalb Wochen!

Langsam kommt die "Oh nein, nur noch drei Wochen Zeit und noch soviel zu tun"-Panik durch, entsprechend versuche ich jetzt, soviel wie möglich zu erledigen:
morgens nach dem täglichen Messen der Klebegewichte habe ich angefangen, mehr Klebedosen für die Glasübergangstemperaturen vorzubereiten, was man ungefähr eine halbe Stunde tun kann, bevor man die Nase voll von runden Gegenständen hat, die man nicht anfassen darf, sondern mit der Pinzette bewegen muss, die man nicht markieren, aber auf keinen Fall durcheinanderbringen darf und die so leicht sind, dass sie beim geringsten Luftzug in der Gegend herumwirbeln.
15 von den Dingern fertiggemacht (20 mit denen von gestern), 15 fehlen noch.

Danach habe ich dann  eine von den "wie sehr dehnt sich Kleber aus, wenn er Feuchtigkeit aufnimmt"-Messungen gestartet, dazu haben wir die nächste Klebedose in den Analysator gesteckt und parallel haben wir noch siebzigmal den Schermodul der extradicken 32-Lagen-Kohlefaserplatten, die ich Freitag gebaut habe, gemessen, bis ich (Tim musste wegen eines mittleren Notfalls nach hause) kontinuierlich von einem Messplatz zum nächsten geflitzt bin.

Dafür habe ich mir danach heute was gegönnt und mich mal wieder an einem der typisch britischen Rezepte versucht, die allerdings nirgendwo in den Pubs zu finden sind: einem Fish Pie.
Ein Fish Pie besteht aus mehreren Sorten Fisch (auf Anraten von Peter habe ich es mit einer Mischung aus Lachs, weißem Fisch und geräuchertem Fisch (Makrele) versucht, in mundgerechte Stücke geschnitten und vermengt (nach dem Rezept von Jamie Oliver) mit geriebenen Karotten, Käse, gewürfelten Tomaten und Spinat und überbacken mit einer dicken Schicht Kartoffelbrei.
Ich weiß nicht, wie das für euch klingt, aber für mich klang es super.
Und so sah es aus (vor dem Kartoffelbrei und mit Kartoffelbrei)
 und abgesehen davon, dass es wahnsinnig gut geduftet hat, war es auch unverschämt lecker. Kann ich sehr empfehlen.

Also saß ich danach vor meinen Daten und habe bei der Auswertung Jamie Olivers Fish Pie gemampft (was das Daten Auswerten wesentlich besser macht). Der Nebeneffekt eines Essens mit Fisch ist allerdings, dass die ganze Zeit eine oder mehrere Katzen um einen herum schleichen und so gucken:

P.s. heute sind gleich zwei Postkarten hier angekommen. Hurra! :) 

Sonntag, 3. August 2014

Murphy und die englische Eisenbahn

Der Sonntag begann sehr vielversprechend mit einem Sunday Rost (vergleichbar mit unserem Sonntagsbraten: es gibt ein leckeres Hauptgericht mit einer leckeren Kartoffelbeilage und einer oder mehreren leckeren Gemüsebeilagen mit jeder Menge Saucen. Und Nachtisch), gekocht von John und Paul, während Kim und ich gemütlich danebensitzen und nichts tun durften
und dann war es leider auch schon wieder Zeit, den Hund zu knuddeln, mich von allen zu verabschieden und für die Heimfahrt zu packen.

Aus irgendeinem Grund hatte ich in meinem Kopf, dass mein Zug um 14:58 fahren würde, als wir allerdings vermeintlich pünktlich um 14:42 ankamen, war mein Zug, der eigentlich 14:40 fahren sollte, leider schon weg.
Ich sollte mir wirklich angewöhnen, Zeit und Datum auf meinem Ticket nochmal anzuschauen.
War aber nicht so schlimm, ich konnte mein Ticket umtauschen für einen Zug, der eine Stunde später, um 15:40 fuhr. Im Gegensatz zu dem Zug eine Stunde vorher, der so pünktlich war, dass ich ihn verpasst hatte, hatte der nachfolgende Zug 31 Minuten Verspätung.
Irgendwas geht halt immer schief.
Immerhin war das Wetter phantastisch und ich hatte meinen Laptop voll aufgeladen und der Schaffner war ungeheuer nett und hat mir erklärt, wo ich umsteigen soll, um nicht noch viel später anzukommen.

Nachdem ich dann zwei Stunden später ankam als geplant, habe ich noch eine nervenzerfetzende Stunde damit verbracht, mein Skype, das sich geweigert hat, sich mit dem Internet zu verbinden, wieder zum Laufen zu bringen, was mit Linux ein besonderes Vergnügen ist.

An manchenden Tagen geht einfach mehr schief als an anderen.

ein Schloss!

Am Samstag sind Kim, John und ich dann im strömenden Regen nach Warwick gefahren. Warwick war im Laufe der englischen Geschichte eines der einflussreichsten Gebiete (während des englischen "Kriegs der Rosen", bei dem die Häuser York (die weiße Rose) und Lancaster (die rote Rose) darum gekämpft haben, den nächsten König zu stellen, war der Herzog von Warwick bekannt als "the Kingmaker", weil er so großen Einfluss hatte).

Eine Weile später kam es zum englischen Bürgerkrieg, als Mary Stuarts Sohn James I (König seit dem Tod von Elizabeth I) den Thron an seinen Sohn Charles abgab, der während des Dreißigjährigen Kriegs anscheinend sehr unbeliebt regierte und gestürzt werden sollte. Ein Teil des Adels stellte sich hinter den König (der verlor und hingerichtet wurde) und ein anderer Teil hinter Oliver Cromwell, Herzog von Warwick, der den Bürgerkrieg gewann. Von den Schlössern der Adligen, die verloren haben, sind heute größtenteils Ruinen übrig, und Warwick Castle ist eines der besterhaltenen Schlösser des Landes.

Auf dem Weg dorthin haben wir auch an einem der Schlösser der Verlierer haltgemacht: Kenilworth Castle, das umgeben von wunderschöner englischer Idylle ist und um das wir eine Runde herum spaziert sind.

Dann ging es weiter nach Warwick Castle, wo wir uns, weil es immer noch geregnet hat wie blöd, erst das Innere des Schlosses angesehen haben.
Und das ist eine echte Überraschung: ein Teil des Schlosses ist nämlich immer noch genauso erhalten wie er damals war: der Raum von Königin Anne, der innen vollständig mit Wandbehängen verkleidet ist, die große Halle mit Ritterrüstungen und Waffen als Zierde
und der Bankettsaal mit einer vollständig gedeckten Tafel.
Wirklich ein schönes Schloss.

Der andere Teil des Schlosses hat eine Einrichtung aus dem 18., 19. und frühen zwanzigsten Jahrhundert, denn die Familie Greville (die Nachfahren des Earl of Warwick) hat hier gelebt bis Mitte des 20. Jahrhunderts.
Dann wurde das gesamte Schloss samt Gelände an Madame Tussauds verkauft, sodass der neuer eingerichtete Teil des Schlosses nicht nur erhalten, sondern auch von Wachsfiguren bevölkert ist, die einen Empfang des Adels aus der Zeit nachstellen.
Wirklich schön gemacht (vor allem stehen überall in den Räumen Tabletts mit so appetitlich aussehenden Süßigkeiten herum, dass man gar nicht anders kann, als nach dem Rundgang einen Scone mit Marmelade zu essen).

Draußen sind wir dann eine Runde auf der Burgmauer herumgeklettert, ich habe mich im Bogenschießen versucht (wobei ich die Zielscheibe neben der Zielscheibe, auf die ich eigentlich gezielt habe, ziemlich gut getroffen habe),
haben uns einen mittelalterlichen Kampf angesehen (der ziemlich gut war, weil sie erst eine Hollywoodnummer aufgeführt und dann erklärt haben, was daran alles falsch war und wie die Kämpfe damals wirklich ausgesehen haben) und sind noch ein paar hundert Wendeltreppenstufen auf den höchsten Turm des Schlosses hinauf geklettert, von dem aus man eine herrliche Aussicht hatte.
Leider hat sich an der Stelle der nächste Wolkenbruch angekündigt, sodass wir schnell wieder hinunter gestiegen und nach einem kurzen Rundgang durch den wundervoll duftenden Rosengarten wieder zurück zum Auto gepatscht sind.

Eigentlich wollten wir danach noch nach Stratford fahren, damit ich Shakespeare huldigen konnte (Kim, John und Paul sind VertreterInnen der Meinung, dass Shakespeare seine Stücke nicht selbst geschrieben hat, aber auch sie konnten mich nicht davon überzeugen), aber es hat dermaßen geregnet, dass wir uns das dann doch für das nächste Mal aufgehoben haben.

Übrigens, falls hier der Eindruck entsteht, es würde in England ständig regnen, ist das unbeabsichtigt: wir hatten zwischendurch bestimmt zwei Stunden lang keinen Regen.

Nach einem dringend benötigten Mittagsschlaf gegen sechs Uhr waren wir dann in einem Pub mit einem unverschämt idyllischen Ententeich mit Entenkücken Abendessen
und zum Abschluss eines rundum schönen Tages gab es dann zurück im Haus zwei-Holzfäller-Finger-breite Whiskys für alle.

Samstag, 2. August 2014

Der Anfang vom Ende

Jetzt nähert sich schon langsam das Ende meiner Zeit hier (wie traurig!), was sich darin äußert, dass ich anfange, Dinge zum letzten Mal zu tun: heute habe ich mir zum letzten Mal einen neuen Monats-Buspass geholt und zum letzten Mal britisches Geld aus dem Automaten geholt. Sehr traurig.

Um aber etwas Positives zu berichten: nachdem ich heute meine übliche Klebstoffe-wiegen-und-messen-Runde hinter mich gebracht hatte, bin ich nach unten ins Materiallabor geflitzt und habe mich mit Peter getroffen, dem Chef des Ganzen, der sich immer freut, wenn er in seinem fensterlosen, überheizten Raum im Keller ein bisschen Gesellschaft hat (normalerweise bricht allen Leuten der Schweiß aus, wenn sie in das durchschnittlich auf 27 Grad geheizte Labor kommen (der Raum enthält einen riesigen Ofen), ich komme aber meistens mit leicht bläulichen Fingernägeln aus dem 18 Grad kalten Reinraum und freue mich immer, wenn ich mich aufwärmen kann. Besonders heute, wo der Regen die betonierten Teile des Unigeländes in eine Rutschbahn verwandelt hat und ich mich fünf Meter vor dem rettenden Eingang in eine Pfütze gelegt habe - im Reinraum trocknet man kein bisschen).

Dort habe ich eigenhändig 32 Lagen Kohlefaser zu annähernd 14*14 cm große Quadraten zurechtgestutzt,
sie so präzise wie möglich übereinander gestapelt
und dann haben wir wieder ein Metallplatten-Folien-Puffermaterial-Vakuumbeutel-Sandwich gebastelt und das Ganze im Ofen gebacken. Hurra! Meine erste Kohlefaserplatte!
(Peter ist heilfroh, dass nicht immer er das machen muss, wenn wir wieder eine absurde Idee haben, welche merkwürdige Kohlefaser-Konstellation wir als nächstes untersuchen wollen könnten).

Nachmittags haben dann Tim und ich uns unserem nächsten großen Projekt gewidmet: Glasübergangstemperaturen (d.h. die Temperaturen, bei denen etwas von fest nach sehr zähflüssig übergeht) messen. Tim hat dafür ein total cooles Gerät, das in eine kleine Dose mit Klebstoff kontinuierlich Wärme pumpt und misst, wie sehr es sich erwärmt - wenn ein Material sich verflüssigt oder irgendwie chemisch reagiert, kann man das in der Kurve sehen.
(zum Beispiel für Wasser würde man sehen, dass man kontinuierlich 4.186 Joule pro Gramm braucht, um es um jeweils ein Grad zu erwärmen, bis etwa hundert Grad, da würde man heizen und heizen und das Wasser würde nicht wärmer werden, weil die überschüssige Energie zum Vergasförmigen verwendet wird. So ähnlich, aber nicht ganz so dramatisch, ist das für Klebstoffe auch: wenn irgendetwas passiert, gibt es kleine Huckel oder Dellen in der Kurve)
Wir haben also heute erstmal kleine Dosen, die man nicht anfassen darf, gewogen, Löcher in den Deckel gestochen, sie mit Kleber gefüllt, sie nochmal gewogen und dann das erste Exemplar der ersten zwei-Stunden-Messung unterzogen.
Ich wollte das ja schon immer mal messen und es ist ein wahnsinnig glücklicher Zufall, dass Tim so ein Ding hat.

Abends habe ich mich dann mit den üblichen "Ich könnte jetzt auch einfach nach hause fahren und ein gemütliches Wochenende im Bett verbringen"-Gedanken zum Bahnhof geschleppt und in den Zug nach Nuneaton gesetzt. Dort haben mich Kim und John abgeholt und zusammen mit Paul und einer Flasche Wein haben wir dann gefeiert, dass der anstrengende Teil der Woche vorbei ist.