Donnerstag, 21. August 2014

"Spielt da jemand Klavier?"

Heute morgen hatte ich mir etwas Besonderes vorgenommen:
schon lange wollten wir mal den Elastizitätsmodul von unserem Kleber messen, also wie sehr er sich ausdehnt, wenn man daran zieht, allerdings ist unsere Maschine dafür nicht genau genug, also mussten wieder Dehnungsplättchen her.
Auf den Kleber kann man die nicht aufkleben, sondern muss sie darin einbetten, also wollte ich die Streifen heute basteln - wie immer für verschiedene Anteile von Bornitrid.
Weil man beim Mischen immer jede Menge Kleber verschwendet, wollte ich das heute alles in einem Abwasch machen: also habe ich erst nullprozentigen Kleber gemischt, dann den ersten Streifen zur Hälfte voll gegossen, dann soviel Bornitrid dazugemischt, dass ich zehnprozentige Mischung hatte, dann den zweiten Streifen gegossen und so weiter.
Beim letzten Streifen hatte der Kleber dann die Konsistenz von klebrigem Brotteig und ich war völlig am Ende, aber es hat geklappt: ich habe eine Ladung Streifen halb fertiggemacht und Dehnungsplättchen darauf gesetzt.
Eine Stunde später habe ich dann die zweite Ladung Kleber fertiggemacht und die zweite Ladung Dehnungsplättchen darauf gesetzt (die erste Ladung ist jetzt in der Mitte der Streifen vergraben)

Danach habe ich mich dann mit dem Materiallaborchef ein Stück Pekan-Dattel-Kuchen gegessen und dann ging es weiter mit der Kohlefaser: Streifen basteln (nur einmal die Finger zusammengeklebt heute!), anlöten und messen. Mittlerweile haben wir eine ziemlich große Sammlung von den Dingern
und mir ist bewusst geworden, dass ich dringend noch meinen Arbeitsplatz aufräumen muss, bevor Tim wiederkommt ...
Und wie ich schon fast auf dem Weg nach hause war, ist doch noch was Lustiges passiert: im Meetingraum saß Marco gerade in einem Telefonkonferenzmeeting und während einer gerade seinen Vortrag hielt und ich zusammenpackte, ertönte plötzlich dröhnend laut klassische Klaviermusik aus dem Lautsprecher.
Etwas ungewohnt und für den Sprecher ziemlich nervend, war es trotzdem eine nette Abwechslung, zumal der Schuldige ein paar Minuten gebraucht hat, um mit dem Klavierspielen aufzuhören ... oder sein Handy auszuschalten ... oder was auch immer.

Abends wieder Daten ausgewertet. Ächz.
Bis halb zwölf!
Wird Zeit, dass es endlich Wochenende wird.

Mittwoch, 20. August 2014

Finger zusammenkleben


Heute morgen habe ich dann die Kohlefaserplatten von gestern inspiziert, die total gut aussehen und total eben sind und eine sehr schicke Kante haben.
Dann bekam ich eine Mail von Tim und erfuhr, dass wir eigentlich eine andere Art von Kohlefaserrohmaterial hätten verwenden sollen. Gnaaaaa.
Also haben Peter und ich uns nochmal getroffen und eine neue Platte gebastelt, was ganz nett war, weil das die einzige Zeit des Tages war, die ich außerhalb des kalten Reinraums und in Gesellschaft anderer Menschen verbracht habe, was eine nette Abwechslung war :)

Ansonsten habe ich weiter Kleber gewogen, ausgerechnet, wieviel Energie Kleber beim Aushärten freisetzen, und mehr Dehnungsplättchen auf Kohlefaserstreifen geklebt. Und dabei gelegentlich meine Finger an der Kohlefaser, an den Endstücken, dem Tisch und anderen Fingern festgeklebt, bis sie so aussahen.

Abends habe ich dann die Daten von den Streifen ausgewertet und weil ich davon langsam die Nase voll hatte, habe ich abends noch einen Pekannuss-Dattel-Kuchen gebacken.

Dienstag, 19. August 2014

Kohlefaserei

Heute morgen war es mal wieder so unfassbar nass (normalerweise ändert sich das Wetter innerhalb einer halben Stunde, wenn man also morgens beim Aufstehen Regen sieht, scheint meistens die Sonne, wenn man das Haus verlässt, aber heute hat es unerwarteterweise geschüttet, bis ich in der Uni war), dass der Weg zum und vom Bus (plus einmal ausrutschen vor dem Physikgebäude) ausgereicht hat, um mich vollständig durchzuweichen.

Und in der Uni kam dann (Reinraum-)Mike auf mich zu und erklärte mir, dass es unten im Keller einen Raum gibt, in dem die Heizlüfter stehen und in dem alle Eingeweihten ihre nassen Klamotten trocknen.
Da fühlte ich mich in die Gruppe hineingeadelt :)

Nach meiner üblichen Kleberoutine habe ich heute mit Peter zwei neue Kohlefaserplatten gebastelt (so einen Kohlefaser-Bastelraum sollten wir uns daheim unbedingt auch zulegen)
 und weil Tim diese Woche am CERN ist und das nicht übernehmen kann, habe ich mich heute selbst um die Vorbereitung der Kohlefaserstreifen für die Messungen gekümmert (die volle Bilderserie für die Vorbereitung eines Streifens umfasst etwa 40 Fotos, daher hier nur ein Ausschnitt: der Streifen hier ist schon mit Conditioner, Sandpapier und Neutralisierer behandelt und kurz bevor man den Kleber aufträgt, muss man das Dehnungsplättchen mit Beschleuniger bestreichen).

Abends habe ich dann Daten ausgewertet und jetzt liegt abends nicht nur Maple in meinem Zimmer, sondern auch Leo, der meinen Koffer gefunden hat und jetzt nicht mehr bewegt werden kann, ihn zu verlassen.

Montag, 18. August 2014

Pech

Nachdem dieses Wochenende alles, aber auch wirklich alles, entweder hervorragend geklappt hat oder noch besser lief als erwartet, musste natürlich noch irgendwas schief gehen - und das dann richtig.

Nachdem wir heute brav früh aufgestanden waren und alles schon vor dem Frühstück zusammengepackt hatten, um für den anderthalb-Stunden-Rückweg beruhigende drei Stunden Zeit zu haben, stießen wir nach einer Dreiviertelstunde Fahrt mitten im autobahnfreien Peak District auf eine Autoschlange vor uns, die sich nicht bewegte. Also, fast nicht - vielleicht alle fünf Minuten um zehn Autos nach vorne.
Das Ende war nirgendwo zu erkennen und den Grund für die Verzögerung kannten wir auch nicht, also haben wir eine Stunde lang gewartet und gehofft. Dann haben wir beschlossen, dass das Ganze zu unsicher war und wollten eine alternative Route probieren, allerdings waren wir inmitten von Bergen und Seen und es gab keine alternativen Straßen und wir mussten ziemlich weit zurückfahren. Etwa eine halbe Stunde später sind wir dann auf eine Straße gelangt, die oben um den Peak District herum führte. Da war unser Sicherheitsvorsprung quasi auf null zusammengeschrumpft.
Es hätte allerdings immer noch klappen können, wenn nicht die gesamte Autobahnregion um Manchester als Baustellenregion deklariert und von 70 auf 50 Meilen pro Stunde heruntergesetzt gewesen wäre, kombiniert mit Straßen, die so voll waren wie die Autobahn zu Ferienbeginn in acht Bundesländern.
Da haben wir dann aufgegeben und den Telefonjoker angerufen, um zu erfahren, dass es an dem Tag keine Direktflüge von Liverpool aus gab.
Auch das noch!
Also sind wir stattdessen zum Flughafen von Manchester gefahren, haben dort beim nettesten Lufthansa-Mitarbeiter der Welt ein Ticket zu zwei Dritteln des eigentlichen Preises bekommen (mit umsteigen, aber das war leider nicht anders zu machen).

Nach einem Kaffee auf den Schreck hat dann mein Besuch immerhin diesen Flug erwischt, ich habe den Rückweg nach Liverpool angetreten und das Auto abgegeben und mir dann einen ruhigen, ereignislosen Nachmittag gegönnt.

Sonntag, 17. August 2014

das kulinarische England

Zur Stärkung haben wir den heutigen Tag begonnen mit dem traditionellen englischen Frühstück, allerdings in der nicht-traditionellen englischen Variante ohne Schinkenspeck und ohne Würstchen.

Denn heute sind wir in den Sherwood Forest gefahren!
Da wir in England sind, hat es natürlich ein bisschen geregnet, aber da mein Besuch glücklicherweise den Regenschirm eingepackt hat, den mein früherer Besuch vergessen hatte, war es dadurch nur eine umso grünere grüne Umgebung.
Der Sherwood Forest ist ein sehr vielseitiger Wald, bei dem man von einem Birkenwäldchen zehn Schritte weiter in einen Nadelwald kommt,
und in dem man Massen an Brombeeren und Bucheckern sammeln kann (Bucheckern schmecken gar nicht mal schlecht).

Das Beste am Sherwood Forest sind allerdings die Eichenbäume. In England gibt es das Sprichwort: 300 Jahre zum Wachsen, 300 Jahre zum Leben und 300 Jahre zum Sterben und der Sherwood Forest ist voll von Bäumen in allen Stadien - und mehreren Zwischenstufen.
Am interessantesten sind die Eichen im dritten Stadium,
aber die noch nicht so toten sind natürlich auch schön. Wirklich beeindruckend sind diejenigen, die aussehen, als wäre schon ein paar mal der Blitz dort eingeschlagen und die trotzdem immer noch weiter wachsen.

Weil es der Sherwood Forest ist, gibt es natürlich auch jede Menge Robin Hood ... Dinge, wie zum Beispiel die Statue von Robin und Little John beim Kampf auf der Brücke und verkleidete Robin-Hood-SchauspielerInnen unter der großen Eiche - einer Eiche, die schon über 1000 Jahre alt ist und trotzdem immer noch Eicheln trägt. Das heißt, diese Eiche gab es schon, als Robin Hood und die Merry Men dort gelebt haben, das ist schon irgendwie beeindruckend.
Auch deprimierend, ein bisschen, wenn man Dinge liest wie: in der Robin Hood Geschichte tauchte im Laufe des Erzählens und Weitererzählens Lady Marian erst etwa im 16. Jahrhundert auf, oder wie Robin Hood gestorben ist.

Von dort aus ging es weiter nach Stamford, einen Ort, der dafür bekannt ist, dass er noch die ursprünglichen schönen alten Gebäude enthält, die so pittoresk sind, dass dort immer gefilmt wird, wenn man eine schöne altenglische Filmkulisse braucht (zum Beispiel: Stolz und Vorurteil).
Dort habe ich meinen Besuch mit einer der besten kulinarischen Traditionen von England vertraut gemacht: High Tea. In England speziellen Feiertagen vorbehalten, bekommt man in gemütlichem Innenhof-Teehaus zum vollen High Tea neben Tee oder Kaffee ein paar Sandwiches, Scones mit Erdbeermarmelade und Sahne und eine Auswahl von süßem Gebäck zur Krönung. Ein Traum!
(Putzig war übrigens die Kellnerin, die natürlich hörte, dass wir Deutsche waren, und meinte, die kennt nur zwei Sätze auf deutsch aus der Schule: "Ich liebe dich" und "Ich habe mein Bein gebrochen" :)
Dann sind wir noch eine Weile durch die Stadt und die winzigkleinen Gässchen geschlendert
und waren dann ziemlich k.o. und sind zurück zum Hotel gefahren.

Der Schrittzähler meines Besuchs sagte übrigens, wir haben heute stolze 16900 Schritte zurückgelegt.

Die Krönung des Tages war dann ein weiteres kulinarisches Highlight von England: Sunday Roast: im Prinzip so eine Art Sonntagsbraten besteht es aus irgendeinem Fleisch (in unserem Fall einer vegetarischen Quiche), Gemüse, Kartoffeln, Kartoffelbrei, Sauce und Yorkshire Pudding (so einer Art hohlem Brot, im Foto auf drei Uhr). Sehr sehr lecker, nur ein wenig viel.
Unbedingt empfehlenswert zu probieren, wenn man sich mal an einem Sonntag nach England verirt!

Samstag, 16. August 2014

Berge und Seen statt Seen und Bergen

Heute morgen war es Zeit, sich zu verabschieden:
für meinen Besuch von meiner Gastfamilie, für mich von Sara, der anderen Untermieterin, mit der ich mich ziemlich gut verstanden habe. Das Gefühl des drohenden Abschieds nimmt zu.

Dann sind mein Besuch und ich in unseren Mietwagen geklettert und in den Peak District gefahren.
Der Peak District liegt östlich von Liverpool und besteht lustigerweise aus ebensovielen Hügel und Seen wie der Lake District, aber während der Lake District von TouristInnen überlaufen ist, hat man im Peak District eher seine Ruhe und kann schön wandern gehen.

Womit wir überhaupt nicht gerechnet hatten, war, wie schön der Peak District ist: überall wunderschöne Hügel, überwachsen mit Heidekraut, sodass die ganze Gegend aus grünen, violetten und am Horizont bläulichen Hügel besteht.

Als wir also am Eingang des Peak Districts einen Wanderweg gefunden haben,
 konnten wir nicht widerstehen und sind wandern gegangen (wiederum in unseren Sonntagsspaziergang-Klamotten, umgeben von Wanderern mit richtiger Wanderausrüstung und richtigen Wanderstiefeln, während wir immer um die Moorpfützen herum hüpfen mussten).
Allerdings war der Wind so stark (erkennt ihr das Gras? Uns hat der Wind in einen ähnlichen Winkel gedrückt),
 dass wir trotz der wirklich schönen Landschaft
 nach einer Stunde umgedreht und ins erfreulich windfreie Auto zurückgekehrt sind.

Weiter und weiter ging es hinein in den Peak District, wo es zunehmend grüner und - falls das möglich ist - noch schöner

und idyllischer wurde.

Tagesziel war ein See inmitten des Peak Districts, wo uns ein Brite sein Parkticket für den Rest des Tages geschenkt hat - das fanden wir ja nett :)
Um den See kann man herum gehen, wenn man sehr viel Zeit und Lust hat, um den wir allerdings nur halb herum gegangen sind, dann haben wir umgedreht und sind zurückgegangen :) (das klingt sinnloser, als es ist, weil die eine Seite ein halbwegs gerader Weg ist und die andere etwa doppelt so lang, weil man um drei verschiedene Flussmündungen herum gehen muss).
Beginnend bei einem enormen Staudamm, dessen Sinn sich uns kein bisschen erschlossen hat, weil wir keinerlei Turbinen oder Regulierungsklappen erkennen konnten,
 acht Kilometer weiter am See entlang durch die dortige Hügellandschaft, die in der Gegend unten dunkelgrün bewaldet, darüber hellgrün, und ganz oben gekrönt von einer leuchtend violetten Heidekrautdecke ist.
 Der Reiseführer sagt zwar, dass der Peak District schön ist, aber wir hatten wirklich nicht erwartet, dass er so schön sein würde.

Danach waren wir dann ziemlich k.o. und sind - nach etwas unerfreulichen Diskrepanzen zwischen dem Kartenmaterial im Navi und den Straßen in Sheffield - in unser Bed&Breakfast gefahren und haben uns dort nach dem Abendbrot noch ein Gläschen hervorragenden Geburtstagswhiskies gegönnt.

Freitag, 15. August 2014

blaue Milch

Heute morgen bin ich dann mit meinem Besuch in die Stadt gefahren, habe kurz den Reinraum, meinen Arbeitsplatz und die Kaffeemaschine präsentiert und dann haben sich unsere Wege getrennt: ich habe Kleber gemessen und Daten über Kohlefaser ausgewertet und mein Besuch hat sich die Kathedralen, Museen und Straßen von Liverpool angesehen.

Als ich dann die Kaffeetassen abgewaschen habe, ist mir etwas passiert, was mir sonst noch nie passiert ist: ich habe im Waschraum jemanden getroffen (genau genommen stand ich da und habe abgewaschen und eine Frau kam zur Tür rein und hat sich furchtbar erschrocken - dann mussten wir beide lachen und haben festgestellt, dass wir nicht erwartet hatten, jemanden zu treffen).

Und heute war natürlich Freitag, also waren wir alle etwas gesprächiger als sonst (auf mich färbt es auch langsam ab): als Tony und ich uns auf der Suche nach Tim in Tims Büro getroffen haben, haben wir uns danach eine halbe Stunde unterhalten: Tony hat (schlechte) Neuigkeiten zu unser aller Zeitplan bekommen, die ihn deprimiert haben, und musste etwas aufgemuntert werden.
Also habe ich ihm erzählt, dass wir seit Wochen mittelmäßig erfolglos versuchen, die Poissonzahl zu bestimmen und Wissenschaft eben heißt, dass man vorher nicht weiß, wie es geht.
Da hat er erzählt, dass, wenn man es genau durchrechnet und die Zusammensetzung berücksichtigt, Milch eigentlich leuchtend blau sein müsste. Was sie aber nicht ist. Manchmal kann man eben nicht alles ausrechnen.

Nachmittags haben wir uns dann nochmal getroffen, wieder auf der Suche nach Tim, der dann später dazukam, und alle zusammen gemütlich eine Tasse Kaffee getrunken. Diese Art von Freitagen gefällt mir immer besser.

Kurz vor Schluss haben Tim und ich noch versucht, ein paar Messungen auszuwerten, haben aber festgestellt, dass wir da vielleicht noch etwas nachlesen müssen, und dann habe ich mich wieder mit meinem Besuch getroffen (der jetzt mehr von Liverpool gesehen hat als ich :) und wir waren im wunderschönen Philharmonie-Pub Abendessen.

Abends haben dann mein Besuch und ich zusammen mit Richard, meinem Gastbruder, eine Flasche Wein aufgemacht und noch gemütlich zusammengesessen. Dann kam noch Sara dazu, die leider morgen schon abreist, also hat sie auch noch ein Glas Wein bekommen und - weil dann der Wein schon alle war - noch ein Glas Whisky. Dann kamen noch Catherine und ihr Freund Matt dazu und es gab noch eine Runde Whisky und wir alle hatten zusammen einen sehr gemütlichen Abend.